Dämmerung der Superhelden

Ich surfe gelangweilt im Internet
Ich zerstreue mich, mein Tag war nicht nett
Ich schaue die Seiten von Bunte und Gala an
frage mich, was er leistet, der Kardashian-Clan

Da springt eine Nachricht aus dem Monitor
und nimmt sich mit Wucht mein Kinderherz vor
Sie trampelt darauf rum
und verkauft es für dumm

Bill Cosby, der Held meiner Kindheitstage
unterliegt einer kompletten Demontage
Er war der Mann, der seine Familie liebte
und mit Humor alle Probleme besiegte
Er wusste, was Bildung verändern kann
Ich war fasziniert von diesem Mann

Doch Bill, während ich vor dem Fernseher sitze
und herzlich lache über Deine Witze
treibst Du Dich im Playboy Mansion rum
und vergewaltigst Frauen im Delirium

Bill, dies ist kein Schmähgedicht
sondern ein Tatsachenbericht
Du bist kein Held, Du bist ein Arschgesicht

Leute, es graut die Superheldenentehrung
ich befürchte, es ist Zeit für das Ende der Verehrung

Ich sitze gelangweilt vor dem Internet
Ich zerstreue mich, mein Tag war nicht nett
Ich besuche auf You-Tube die neusten Kätzchen
und verfolge, wie sie hinter Laserpointern herhetzen

Da lande ich im Situation Room mit Obama
und sehe, wie er ihn exekutiert, den Osama
Damals rief ich „Yes we can“
War überzeugt „he’s the man“
Der schafft es, anders zu sein
und bringt Werte ins Weiße Haus hinein
und auch wenn der Mob schreit „killt den Terrorist“
weiß Obama, dass ist dies keine Lösung ist

Ich habe mich wohl ganz furchtbar geirrt
muss einsehen, dass sich dort jeder verliert
Das System ist einfach zu verstrickt
Das Gute wird dort durch das scheinbar Nötige erstickt

Obama, Helden verschonen auch einen Terrorist
Ich verstehe, dass Du nur ein Mensch unter Menschen bist

Leute, es graut die Superheldenentehrung
ich befürchte, es ist Zeit für das Ende der Verehrung

Ich sitze gelangweilt vor dem Internet,
Ich zerstreue mich, mein Tag war nicht nett
Da sehe die Helden reihenweise fallen
wie sie unter Alkohol Beschimpfungen lallen
Lance Armstrong war dem Doping zugeneigt
Auf Heidi Klums Zeh ein dickes Haar sich zeigt
Volker Beck reduziert mit Crystal den Stress
Günther Grass war bei der Waffen-SS
Ihr Pseudohelden, da wo ihr die Wahrheit versteckt
werdet ihr doch letztlich durch jemanden gehackt

Leute, es graut die Superheldenentehrung
ich befürchte, es ist Zeit für das Ende der Verehrung

Ich sitze gelangweilt vor dem Internet
Ich zerstreue mich, mein Tag war nicht nett
Ich google den Dalai Lama und habe Angst, was da kommt
hat er Bulimie oder sehe ich, wie er sich am Strand von Monaco sonnt?
Hat Mutter Theresa Spendengelder unterschlagen
und Millionen Euro nach Panama getragen?
Hat Nelson Mandela zwar der Apartheid den Kampf angesagt
aber in den eigenen vier Wänden über Frauenemanzipation geklagt?
Vielleicht entpuppt sich James Bond als Doppelspion
und Gott am Ende als Computersimulation
Ich will es nicht wissen, will keine Superhelden mehr
an einen solchen zu glauben, fällt mir inzwischen sehr schwer

Ich stehe auf und schließe das Internet
ein Tag liegt vor mir und der wird nett
Ich habe beschlossen, selbst ein Held zu sein
ein Held mit Fehlern, ein Held in klein
Ich will nicht mehr hoffen, dass es Superhelden gibt
Ich will ihn machen, den Unterschied

Dekonstruiert

Ihr habt Euch da oben was zusammengezimmert
etwas was von innen an eine Festung erinnert
doch wenn ich von außen darauf schau
sehe ich einen maroden Bau

Dem einen ist es nie genug
der andere nach Bedrohungen sucht
der nächste fesselt sich immer
und für manche ist nur das Alleinsein schlimmer
Es gibt welche, die sich nicht nach draußen trauen
und ein paar, die aus Angst lieber selbst zuhauen

Ich habe mir da oben was zusammengezimmert
etwas, was von innen an eine Festung erinnert
doch wenn Ihr von außen darauf schaut
seht Ihr, ich habe marode gebaut

Die macht sich klein
und sagt nicht nein
vermeidet den Streit
hat sich nicht befreit
Fehler sind ihr größter Feind
was das Erwachsenwerden zu vermeiden scheint

Und dann – kommt mein Tag
an dem die Statistik versagt
an dem so viel passiert
und ein Erdbeben wütet auf zehn skaliert
so dass mein Konstrukt die Struktur verliert

Die Wärme – ein Kuss wegen der Liebe
Die Kälte – ein Schluss wegen der Triebe
beides trifft aufeinander und ein Gewitter entsteht
Ein Sturm brandet auf, der meine Werte verweht
Ein schmerzender Blitz ein brüllender Donnerknall
und meine gezimmerte Festung kommt zu Fall
Ein gigantischer Ruck
der mich durchzuckt – und mich verrückt
Noch lange rutschen die Teile
mein Körper zittert noch eine Weile

Ergebnis von nur einem Tag
an dem die Statistik versagt
an dem so viel passiert
und ein Erdbeben wütet auf zehn skaliert
so dass ein Konstrukt die Struktur verliert

Ich brauche dringend ein neues Haus
und suche aus den Trümmern das Brauchbare raus
Ich beginne und sammle die Steine
und merke, das sind aber gar nicht meine
Sie zerbröseln dort in meiner Hand
und rieseln herab als feiner Sand

Sei immer brav dann passiert Dir nichts
arbeite auch wenn Du zusammenbrichst
denn es gibt nichts wichtigeres als Geld
vielleicht die Familie noch die so viel zählt
Gib das Geld für bleibende Werte aus
Bekomme Kinder und bleib zu Haus

Ich vermute, die Trümmerfrauen
haben meine brösligen Steine gehauen

Ich sortiere und suche nach Recyclebaren
Baustoffe die tatsächlich meine waren
Das meiste ist Schutt
fast alles kaputt
Das was bleibt
ist jede Menge Aufräumarbeit

Ich sitze auf meinem Bett und esse Steine
und komme mit mir so langsam ins reine
und mein Hirn gleicht dem von einem Kind
keine Konstrukte, die mir im Wege sind
und dann – lache ich aus tiefstem Glück
ein Lachen, das Elfen zum Leben erweckt
Und wenn du mich fragst, war es das wert
dieses Lachen uns beiden Demut lehrt

Vielleicht kommt Dein Tag
an dem die Statistik versagt
an dem so viel passiert
und ein Erdbeben wütet auf zehn skaliert
so dass Dein Konstrukt die Struktur verliert

Und wenn nicht?

Dann kommt der Tag an dem die Statistik stimmt
der, der uns mit Sicherheit das Leben nimmt
Und da gibt diesen einen, kleinen Moment
kurz bevor wir sie verlassen die Welt
in dem jeder einzelne von uns erkennt
dass sein Konstrukt zu Staub zerfällt
Und alles was bleibt ist das Fundament
und wenn es gut für uns lief, besteht es aus dem, was man Liebe nennt

London

Wir hatten vier wunderschöne Tage in London. Die wichtigsten Eckpunkte der Reise:

– Warum um Gottes Willen schafft es easyBus nicht, anständig über den Abfahrpunkt nach Luton Airport zu informieren? Für Verzweifelte: Gegenüber der Christ Church Spitalfields Venue an der Commercial Street gibt es ein Bushäuschen.

– Mit Audioguide kann man STUNDEN im British Museum verbringen (jedenfalls hätten meine Kinder nach Ägypten und China noch viel mehr angucken können).

– Harrods ist mit Kindern nicht zu empfehlen. Wie kann man erklären, dass es dort T-Shirts gibt, die 200 Pfund kosten?

– Die Wohnung von Slimen auf Airbnb in der Nähe der Tower Bridge ist mehr als empfehlenswert (TWO Bedroom Flat in London Bridge).

– Kinder können sich auch übergeben, wenn man sich auf dem Boden Ihrer Majestät befindet.

– Anscheinend irrtümlich hat ein Candyman an unserer Tür geklingelt. Er war kein (wie von mir zuerst vermutet) Callboy sondern ein Drogendealer. Auch wieder was gelernt…

Seifenblase

Ein Gedanken-Ei

Ich pflanze ein Ei hinein in dein Hirn,
da direkt gleich hinter die Stirn.
Es schlüpft, wächst und gedeiht,
macht sich dort breit
und frisst sich durch graue und weiße Substanz.
Es entwickelt sich ganz
und kriecht im Schlaf aus deinem Ohr.
So windet es sich in das echte Leben hervor.
Und wenn du erwachst,
hat es dieses madig gemacht.

 

In eigener Sache: Eier gibt es viele und es gibt Hirne, in denen sich diese besonders wohlfühlen. Wir sollten alle dafür sorgen, dass unser eigener Kopf keinen guten Nährboden für das Heranzüchten einer Brut bietet. Die Schädel mancher Menschen sind aber bereits leergefressen.